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Ardnagashel [Die Anhöhe der Burg]

Das Ellen Hutchins Arboretum (Baumsammlung) an der Bantry Bay in West-Cork wurde 1800  von Arthur Hutchins gegründet. Seine Schwester Ellen Hutchins (1785-1815) gilt als erste irische Botanikerin. Der „verlorenene Landschaftsgarten“ von Ardnagashel besteht aus dem Arboretum, Küstenwegen, Waldbereichen, einem verzaubernden Myrtenwald und „Champion-Bäumen“. Der ursprünglich circa 120 Hektar umfassende Grund ist heutzutage aufgeteilt auf mehrere Eigentümer: Der westliche Bereich umfasst das Arboretum, den Sitz des alten Herrenhauses (das heutige Seminarhaus) mit Gärten, die zu Ferienwohnungen ausgebauten Reitställe sowie acht neue Ferienhäuser auf der Fläche der alten Rugby-Platzes wurden von „Rent an Irish Cottage“ übernommen. Der auf der östlichen Seite befindliche in Europa einmalige Myrtenwald, attraktive Küstenwege und sehenswerte Waldwege befinden sich nach wie vor im Besitz der Familie Hutchins. In Ardnagashel sehen Sie:

  • den umfangreichsten Myrtenwald von Irland und Großbritannien
  • drei zwei ausgewachsene Kork-Eichen, vermutlich die größten in Irland (eine zerbarst im April 2011 in dutzende von Stücke)
  • eine außergewöhnliche Japanische Sicheltanne [Cryptomeria japonica] mit zehn aus herab hängenden Seitenästen entstandenen Seitentrieben
  • die größte Weidenartige Steineibe [Podocarpus salignus] in Irland und Großbritannien (sie neigte sich immer mehr – der Schwerkraft gehorchend -und fiel im Herbst 2010)
  • eine umfangreiche Sammlung von teilweise seltenen und groß gewachsenen Rhododendren, die der einstige Besitzer Oberst Ronald Kaulback von Expeditionen in den Himalaja mitbrachte, Fotos dazu hier

Ardnagashel liegt ideal, um frostempfindliche Bäume und Sträucher anzupflanzen. Es ist ein Platz von ungewöhnlicher Schönheit, ein Mekka für den Pflanzenfreund. Es ist Teil unseres Naturerbes und verdient es, besser bekannt zu werden. Es ist einer der großartigen Gärten, für die unser Land bekannt ist.
John Bevan, Autor von ‘Ardnagashel – A Hidden Treasure’ 1984

ELLEN HUTCHINS (1785 – 1815)

eliane zimmermannBotanikerin, geboren am 17. März 1785 im Ballylickey House, Bantry Bay.

Während ihrer Studienzeit in Dublin entwickelte sie ihre Leidenschaft für das Studium von Pflanzen, um sich von Ihrer schwachen Gesundheit abzulenken. Dieses Interesse wurde seinerzeit als gesunde Ablenkung bei schwacher Konstitution betrachtet, so hielten sich die Damen der höheren Gesellschaft so viel wie möglich in der frischen Luft auf. Ellens Professoren förderten ihre Interessen, insbesondere der Botaniker James Townsend Mackay. Wieder zu Hause  in der Bantry Bay wurde sie zur leidenschaftlichen Sammlerin von Algen, Moosen und Flechten, dies war auch der Beginn der Gründung dieses phantastischen Gartens. 1806 war Hutchins’ botanisches Wissen so umfangreich, dass sie regelmäßig eine Auswahl an Algen an Mackay sendete. Dieser schickte seltene Entdeckungen weiter an Dawson Turner (aus Yarmouth), der sich zu dieser Zeit mit Meeresalgen beschäftigte und auch Weston Dillwyn (aus Swansea), der sich mit Süßwasseralgen befasste, bekam Exemplare. Mackay respektierte zwar den Wunsch von Frau Hutchins, dass ihr Name nirgendwo in gedruckter Form erscheinen sollte, doch er enthüllte ihn seinem Kollegen Turner gleichwohl, da er ihre wichtige Rolle als Sammlerin und Archivarin schätzte.

So begann ein lebenslanger Austausch zwischen Hutchins und Turner, der sie durch die aufwändige Arbeit des Klassifizierens von kryptogamen Pflanzen geleitete. Durch Versenden nicht nur von Fachliteratur sondern auch von beschrifteten Pflanzenmustern half er ihr, die Einsamkeit und Isolation etwas zu überwinden und ihr Wissen unaufhörlich zu erweitern. Hutchins’ aussergewöhnlich gut aufbereitete Muster, ihre wunderschönen botanischen Zeichnungen und ihre Fähigkeit Pflanzen zu finden, beeindruckten Turner tief.

Hutchins’ Ruf genoss Anerkennung unter den damaligen Männern der Wissenschaft. William Jackson Hooker, überwältigt durch ihre Beiträge zu seiner Monographie der Lebermoose („British Jungermanniae“ 1816), berichtete Turner 1811, dass bereits allein `Fräulein Hutchins` Entdeckungen einen Appendix so dick wie das ganze Werk insgesamt füllen werden. Ein Jahr später vertraute er Robert Brown: „’Fräulein Hutchins’ ist eine Goldmine, aber ich habe nicht vor, sie zu langweilen, es sei denn sie sollte zu produktiv werden.“ Nichtsdestotrotz eröffnete Hooker seine Monographie mit Jungermannia hutchinsiae, eine neue von Hutchins entdeckte Algenart. Damit anerkannte er die Tatsache, dass sie die Bantry Bay als Lebensraum von mindestens der Hälfte der von ihr beschriebenen Arten verantwortlich war. Auch Brown ehrte sie 1812 mit der Benennung einer Gattung von alpinen Pflanzen, die er ‚Hutchinsia’ taufte.

Obwohl Hutchins ihre Funde nie veröffentlichte, konnte man sie doch überreden ihren Namen bei den Beschreibungen ihrer Entdeckungen in späteren Ausgaben der „Englischen Botanik“ (1790-1817) von James Sowerby and James Edward als auch in Dillwyn’s „British Conservae“ (1802-1809) und Turners „Fuci“ (4 Bände, 1808-1819) nennen zu dürfen. In Letzterem wurde vier ihrer Zeichnungen abgebildet. 1809 kamen Dillwyn und Joseph Woods nach Ballylickey und waren beeindruckt von Hutchins: „sie ist eine sensible, angenehme, solide und recht gut aussehende Frau“. Beide bezeichneten sie als „ fast den besten Botaniker, ob Mann oder Frau, den sie jemals getroffen haben.“ (Dillwyn zu Dawson Turner am 22. Juli 1809, TCC).

Ellen Hutchins’ letzte Lebensjahre waren durch Krankheit und Familiensorgen überschattet. Ihr Bruder Thomas wurde gelähmt und benötigte viel Betreuung. Ab 1810 versorgte sie auch ihre alte Mutter, mit der sie ins 30 Kilometer entfernte Bandon umziehen musste, da ihr ältester Bruder Emanuel im Sommer 1813 Ballylickey House besetzt hatte und sie verjagt hatte. In Bandon erkrankte Ellen Hutchins selbst schwer und war nicht mehr in der Lage, sich um ihre Mutter zu kümmern, welche im März 1814 verstarb. Im Mai dieses Jahres zog sie zurück nach Bantry Bay und lebte fortan in Ardnagashel, der Landsitz der ihrem anderen Bruder Arthur gehörte. Obwohl die Behandlung mit Quecksilber gegen eine Erkrankung der Leber sie zu einem ‚reinen Skelett’ abmagern ließ, glaubte ihr Arzt dass sie sich erholen würde, wie ihr Cousin Thomas Taylor in einem Brief an Dawson Turner am 26 Oktober 1814 schrieb (Korrespondenz im Trinity College Cambridge). Taylor hielt das jedoch in Anbetracht ihrer Nähe zum ältesten Bruder für unwahrscheinlich. Hutchins begründete ihr geistiges und körperliches Leid mit den Familienstreitigkeiten und vertraute auf die akademische Freundschaft mit Turner als einer Quelle für Freude in ihrem unglücklichen Leben. Ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich weiterhin und sie verstarb kurz vor ihrem 30. Geburtstag am 15. Februar 1815. Sie wurde auf dem kleinen Kirchen-Friedhof in der Mitte von Bantry begraben. Hutchins hatte ihr Herbarium an Turner vermacht, doch die Versendung verzögerte sich da zwei ihrer Brüder in heftige Streitigkeit verstrickt waren und einer von ihnen versuchte Ballylickey House mit 40 bewaffneten Männern zu stürmen. Turner erhielt jedoch Hutchins’ Muster und Zeichnungen und stellte deren Verwendung durch Botaniker sicher. Obwohl sie sich nie im wirklichen Leben begegnet waren, drückte Turner in seinem ergänzenden Band zu ‚Fuci’ abgrundtiefe Trauer über Hutchins’ Tod aus (4. 1918, 152). Da ihre gemeinsame Liebe zu Poesie und Botanik sie zusammen geführt hatte traf ihn dieser Verlust ihn umso mehr. Er würdigte ihre Qualitäten mit dem Zitieren eines Gedichtes ‚Tränen der Zuneigung’ von James Hurdi (1794): ‚Ein Gedicht zum Anlass des Todes einer zärtlich geliebten Schwester’.

Quellen: D. Turner, letters to E. Hutchins, Royal Collection · E. Hutchins, letters to Dawson Turner, Trinity Cam. · Burke, Gen. Ire. (1958) · H. W. Lett. ‘Censsus report on the mosses of Ireland’, Proceedings of the Royal Irish Academy, 32B (1913-16), 65-165, esp. 70-71 · memoir of Ellen Hutchins, Representative Church Body Library, Dublin, MS 47 · W. H. Pearson, ‘Ellen Hutchins – a biographical sketch’, The Bryologist, 21 (1918), 78-80 · M. C. Knowles, ‘The lichens of Ireland’, Proceedings of the Royal Irish Academy, 38B (1928-9), 179-434, esp. 182 · J. Bevan, ‘Miss Ellen Hutchins (1785-1815) and the garden at Ardnagashel, Bantry, County Cork’, Moorea 3 (1984), 1-10 · G. J. Lyne, ‘Lewis Dillwyn’s visit to Waterford, Cork and Tipperary in 1809’, Journal of the Cork Historical and Archaeological Society, 2nd ser., 91 (1986), 85-104 · G. L. Lyne and M. E. Mitchell, ‘A scientific tour through Munster: the travels of Joseph Woods, architect and botanist, in 1809’, North Munster Antiquarian Journal, 27 (1985), 15-61, esp. 27 · Irish woman artists: from the eighteenth century to the present day (1987) [exhibition catalogue, NG Ire. the Douglas Hyde Gallery, TCD, and the Hugh Lane Municipal Gallery of Modern Art, Dublin, July-Aug 1987] · D. Turner, Fuci, or Colored figures, 4 vols. (1808-19) · W. J. Hooker, British Jungermanniae: being a history and description, with colored figures, of each species of the genus, and microscopical analyses of the parts (1816) · H. C. G. Chesney, ‘The young lady of the lichens‘, Stars, shells and bluebells: women scientists and pioneers, ed. [M. Mulvihill and P. Deevy] (Dublin, 1997) 28-39 · Early observations on the flora of south-west Ireland: selected letters of Ellen Hutchins and Dawson Turner, 1807-1814, ed. M. E. Mitchell (1999) Archives NHM. herbarium · priv. coll. family MSS · RBG Kew · RBG Kew, botanical drawings · Sheffield City Museum, botanical drawings · Trinity Cam, corresp. Dawson Turner

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